Mittelstand und Innovation

    Deutscher Startup Monitor 2026: Was die Zahlen für Venture Clienting und den ländlichen Raum bedeuten

    Titelgrafik Deutscher Startup Monitor
    Bild: Deutscher Startup Monitor, Bundesverband Deutsche Startups e.V.

    Der Deutsche Startup Monitor 2026 ist erschienen und wir haben ihn bei uns in Lietzow auf Rügen einmal komplett durchgearbeitet. 1.803 Gründerinnen und Gründer haben an der Befragung des Startup-Verbands teilgenommen. Noch nie wurden in Deutschland so viele Startups gegründet wie in diesem Jahr, und bis Ende September flossen bereits 8 Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Startups. Das ist mehr als im gesamten Vorjahr.

    Hängen geblieben ist bei uns trotzdem eine andere Zahl. Nur noch 54,1 Prozent der Startups arbeiten mit etablierten Unternehmen zusammen. 2020 waren es 71,8 Prozent. Und das in einer Zeit, in der die Industrie laut Studie jeden Monat rund 10.000 Arbeitsplätze verliert und neue Ideen dringender bräuchte als je zuvor.

    Genau an dieser Stelle arbeiten wir jeden Tag. Deshalb ordnen wir die wichtigsten Ergebnisse ein und sagen, was sie für Startups, für den Mittelstand und für ländliche Regionen bedeuten.

    Kooperationen lohnen sich, sie kommen nur zu selten zustande

    Das Spannende an den Kooperationsdaten ist der Widerspruch darin. Wer mit einem etablierten Unternehmen zusammenarbeitet, ist meistens zufrieden. 74,2 Prozent der Startups bewerten den Return on Invest solcher Kooperationen positiv oder eher positiv. Trotzdem sinkt ihre Zahl seit 2020 fast in jedem Jahr.

    Woran es hakt, zeigt die Studie ebenfalls. Nur 15,6 Prozent der Gründer:innen erleben die Kooperationsbereitschaft etablierter Unternehmen als hoch. Am schwächsten schneidet die Geschwindigkeit der Prozesse ab. In der Krise konzentrieren sich viele Unternehmen aufs Kerngeschäft, und ein Pilot mit einem jungen Team rutscht auf der Prioritätenliste nach unten.

    Auf Seite der Startups ist der Wunsch dagegen klar. 72,3 Prozent suchen in der Zusammenarbeit vor allem Referenzkunden, 59,6 Prozent wollen neue Vertriebskanäle erschließen. Logos auf einer Sponsorenwand helfen da wenig. Was Startups brauchen, sind Unternehmen, die ihr Produkt wirklich einsetzen.

    Die gute Nachricht steckt in derselben Befragung. 45,4 Prozent der Startups rechnen damit, dass die Kooperationsbereitschaft in den nächsten drei Jahren besser wird. Das Potenzial ist also da. Es fehlt ein Weg, der für beide Seiten schnell und planbar ist.

    Was Venture Clienting ist und warum es gerade jetzt passt

    Beim Venture Clienting wird ein etabliertes Unternehmen zum ersten Kunden eines Startups. Es gibt keine Beteiligung und keinen Fonds. Das Unternehmen testet eine konkrete Lösung in einem klar umrissenen Pilotprojekt und entscheidet danach, ob daraus eine dauerhafte Zusammenarbeit wird.

    Dass dieses Modell gerade jetzt gut passt, zeigen die Finanzierungsdaten der Studie. Die Zahl der ersten Finanzierungsrunden in Deutschland ist von 1.027 im Jahr 2021 auf hochgerechnet rund 550 im Jahr 2026 gefallen. Der Anteil der Startups mit externen Investor:innen sank innerhalb eines Jahres von 38,5 auf 32,9 Prozent. Und 59,5 Prozent der Gründer:innen sagen, dass sie schlicht keine passenden Investor:innen finden.

    Gleichzeitig machen Startups inzwischen 76,5 Prozent ihres Umsatzes mit Geschäftskunden. So hoch war der B2B-Anteil seit Beginn der Erhebung noch nie. Wenn Wagniskapital in der Frühphase knapp ist, wird ein zahlender Kunde zur ehrlichsten Form der Finanzierung. Umsatz kostet keine Anteile, und eine Referenz aus dem Mittelstand öffnet später auch bei Investor:innen Türen.

    Für Mittelständler ist die Rechnung ebenso einfach. 53,3 Prozent der Startups haben Künstliche Intelligenz im Zentrum ihres Produkts. Ein Pilot ist der schnellste und günstigste Weg, diese Technologie im eigenen Betrieb auszuprobieren, ohne gleich eine eigene Abteilung aufzubauen oder ein Beteiligungsrisiko einzugehen.

    Der ländliche Raum kommt in der Statistik kaum vor, in der Wirtschaft sehr wohl

    Wer die Studie liest, landet schnell in Berlin, München und NRW. Nordrhein-Westfalen stellt 23,2 Prozent der Befragten, Bayern 14,2 Prozent und Berlin 13,7 Prozent. Die Flächenländer im Norden und Osten liegen jeweils im niedrigen einstelligen Bereich. Auch von den zehn neuen Startup-Factories, die den Transfer aus der Wissenschaft stärken sollen, steht keine einzige in Mecklenburg-Vorpommern.

    Dabei spielt die Wirtschaft außerhalb der Metropolen eine riesige Rolle. Ländliche Räume machen laut BMEL rund 90 Prozent der Fläche Deutschlands aus. Hier leben 57 Prozent der Menschen und hier entstehen 46 Prozent der Bruttowertschöpfung. Viele Hidden Champions sitzen nicht in Frankfurt oder Hamburg, sondern in Kleinstädten, die man erst auf der Karte suchen muss.

    Was Gründer:innen an ihren Standorten vermissen, beschreibt die Studie ziemlich genau. Nur 25,6 Prozent bewerten den Zugang zu Kapital vor Ort positiv, bei Business Angels vor Ort sind es 34,2 Prozent. Kooperationsmöglichkeiten mit etablierten Unternehmen sehen nur 33,1 Prozent, im Vorjahr waren es noch 39,1 Prozent. Genau diese Brücke zwischen jungen Teams und etablierter Wirtschaft fehlt in vielen Regionen.

    Mark Bosold, der nach Jahren in Berlin sein Startup :pxtra in Rostock gegründet hat, bringt es in der Studie gut auf den Punkt. Das Ökosystem sei kleiner und Kontakte entstünden nur, wenn man sie aktiv sucht. Dafür gebe es kürzere Wege und mehr Fokus auf Produkt und Kunden. Genau so erleben wir es auch. Talente und gute Ideen gibt es überall, sie brauchen nur jemanden, der die richtigen Leute zusammenbringt.

    Neue Gründer:innen, neue Wege aufs Land

    Ein Trend aus der Studie hat uns besonders gefreut. Gegründet wird immer später. Der Anteil der Gründer:innen ab 55 Jahren hat sich seit 2020 mehr als verdoppelt, von 5,5 auf 11,2 Prozent. Inzwischen ist jede vierte Gründungsperson 45 Jahre oder älter. 29,1 Prozent kamen direkt aus einem größeren Unternehmen und 39,8 Prozent haben schon einmal gegründet.

    Für ländliche Regionen ist das eine Chance. Wer Branchenerfahrung mitbringt, kennt die Probleme im Mittelstand aus erster Hand und spricht die Sprache der Geschäftsführung. Und viele Familienunternehmen suchen gerade Menschen, die unternehmerisch denken und Verantwortung übernehmen wollen, sei es für eine Kooperation oder für eine Nachfolge.

    Auch die Motive passen. 47,9 Prozent der Gründer:innen wollen mit ihrem Startup ein gesellschaftliches oder ökologisches Problem lösen. Gleichzeitig geht der Anteil der Startups, die sich der Green Economy zuordnen, von 48,1 Prozent im Jahr 2024 auf 41,8 Prozent zurück. Wachstum sieht die Studie vor allem im Energiesektor. Wer Impact will, findet ihn oft genau dort, wo Energie erzeugt, Lebensmittel produziert und Industrie betrieben wird. Und das ist meistens auf dem Land.

    Was wir bei Founders Bay daraus machen

    Founders Bay ist ein equity-free Impact Accelerator mit Sitz in Lietzow auf Rügen. Wir arbeiten deutschlandweit mit Startups aus ländlichen Regionen und bringen sie über Venture Clienting mit dem Mittelstand zusammen. Wir nehmen keine Unternehmensanteile. Stattdessen organisieren wir strukturierte Pilotprojekte zwischen Startups und Unternehmen, die zueinander passen.

    Seit dem Start haben wir neun Batches begleitet und mehr als 50 Startups unterstützt. Über 150 Mentorinnen und Mentoren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gründerszene bringen ihre Erfahrung ein. Für unsere Arbeit wurden wir mit dem RKW Award ausgezeichnet und wir sind durch Bund und EU gefördert. Mit WEMAG arbeitet ein regionales Unternehmen mit uns zusammen, das genau verstanden hat, was Startups ihnen bringen können.

    Unser Ansatz setzt dort an, wo die Studie die größten Lücken zeigt. Wir sorgen dafür, dass Kooperationen schneller starten, weil Rahmen, Ablauf und Ansprechpartner vorher klar sind. Wir kuratieren, statt nur zu vernetzen, damit ein Unternehmen nicht zwanzig Pitches sieht, sondern die zwei Startups, die sein Problem wirklich lösen können. Und wir begleiten den Schritt vom Pilot in eine dauerhafte Zusammenarbeit, weil erst dann aus einem Test ein Referenzkunde wird.

    Unser Leitsatz dafür lautet „Wir machen der Lücke Mut“. Für uns ist der ländliche Raum kein Defizit, das man ausgleichen muss. Er ist der Ort, an dem ein großer Teil der deutschen Wertschöpfung entsteht und an dem Startups mit echten Problemen und echten Kunden arbeiten können.

    Was ihr jetzt tun könnt

    Ihr seid ein Startup aus einer ländlichen Region oder löst ein Problem, das vor allem außerhalb der Metropolen auftritt? Dann schaut euch unser Accelerator-Programm an. Wir suchen Teams, deren Unternehmen höchstens fünf Jahre alt ist und die mit ihrer Lösung einen Beitrag zu Klima- oder Nachhaltigkeitszielen leisten. Ihr bekommt Zugang zu unserem Mentor:innen-Netzwerk und vor allem zu Unternehmen, die eure Lösung wirklich einsetzen wollen.

    Ihr führt ein mittelständisches Unternehmen und wollt wissen, welche Startups eure Herausforderungen lösen können? Dann meldet euch bei uns über unsere Seite für Unternehmen. Wir hören uns an, wo es bei euch hakt, und stellen euch danach passende Startups für ein Pilotprojekt vor. Ohne Beteiligung, mit klarem Rahmen und in einem Tempo, das zu eurem Tagesgeschäft passt.

    Die Studie zeigt ziemlich deutlich, dass beide Seiten voneinander profitieren. Sie zeigt auch, dass es von allein nicht passiert. Genau dafür gibt es uns.

    Häufige Fragen

    Was ist Venture Clienting?

    Venture Clienting ist ein Kooperationsmodell, bei dem ein etabliertes Unternehmen zum Kunden eines Startups wird, statt in das Startup zu investieren. Beide Seiten starten mit einem klar abgegrenzten Pilotprojekt. Überzeugt die Lösung, wird daraus eine dauerhafte Geschäftsbeziehung.

    Was sagt der Deutsche Startup Monitor 2026 über Kooperationen zwischen Startups und Unternehmen?

    Laut Deutschem Startup Monitor 2026 arbeiten 54,1 Prozent der Startups mit etablierten Unternehmen zusammen, 2020 waren es noch 71,8 Prozent. 74,2 Prozent sind mit dem Return on Invest dieser Kooperationen zufrieden. Nur 15,6 Prozent erleben die Kooperationsbereitschaft der Unternehmen als hoch.

    Warum ist Venture Clienting für den Mittelstand interessant?

    Mittelständler können neue Technologien wie KI in einem überschaubaren Pilot testen, ohne eigene Entwicklungsabteilungen aufzubauen oder Anteile zu kaufen. Das Risiko bleibt klein und das Ergebnis ist nach wenigen Monaten sichtbar.

    Welche Rolle spielen ländliche Räume für Startups?

    Ländliche Räume umfassen rund 90 Prozent der Fläche Deutschlands und erwirtschaften 46 Prozent der Bruttowertschöpfung. Dort sitzen viele Hidden Champions und mittelständische Unternehmen, die als Kunden und Partner für Startups infrage kommen. Gleichzeitig fehlt es vor Ort oft an Kapital, Business Angels und Kooperationsformaten.

    Was ist Founders Bay?

    Founders Bay ist ein equity-free Impact Accelerator aus Lietzow auf Rügen. Er unterstützt deutschlandweit Startups aus ländlichen Regionen und verbindet sie über Venture Clienting mit dem Mittelstand. Bisher wurden in neun Batches mehr als 50 Startups begleitet, unterstützt von über 150 Mentor:innen.

    Nimmt Founders Bay Anteile an Startups?

    Nein. Founders Bay arbeitet equity-free und nimmt keine Unternehmensanteile. Das Programm wird durch Bund und EU gefördert und durch Partnerunternehmen getragen.

    Quelle

    Hirschfeld, A., Gilde, J. & Walk, V. (2026). Deutscher Startup Monitor 2026. Berlin: Bundesverband Deutsche Startups e.V. Die vollständige Studie gibt es beim Startup-Verband. Die Angaben zu ländlichen Räumen stammen vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

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